Wer Samstags freiwillig früh morgens aufsteht, um an einem Lehrgang teil zu nehmen, der ist natürlich hoch motiviert und tut dies also mit der dazugehörigen Vorfreude auf das Kommende. Der Lehrgang verhieß viel Gutes. Wir – also Dietmar, Stefan, Henning, Jan-Bernd und ich – sollten in dieser Hinsicht nicht enttäuscht werden. Weiterlesen
Extraschicht 2011
Am 9. Juli 2011 war es wieder soweit. Extraschicht, die Nacht der Industriekultur präsentierte an zahlreichen Orten im Ruhrgebiet einen Mix aus Industrie, Kultur und Veranstaltungen. Letztes Jahr habe ich die Extraschicht noch als Besucher miterlebt aber dieses Jahr sollte unser Kendo-Verein aus Dortmund ein Teil dieser Veranstaltung sein. Also meldete ich mich bei Dietmar und teilte ihm mit, dass ich auf jedem Fall dabei bin.
Veranstaltungsort war das alte Hoesch-Museum. Ein Denkmal für die alte Stahlindustrie. Allein der Gedanke dort eine Vorführung zu geben, ließ meine Pulsfrequenz steigen. Weiterlesen
Warum sagen wir in der Kendo Kata „yaa!“ und „tou!“?
(aus: Kendo Kata: Essence and Application, Inoue Yoshihiko, 2003, Kendo World Publications)
Als die offizielle kendo kata zum ersten Mal entworfen wurde, kamen etliche sensei als Repräsentanten der verschiedenen traditionellen Schwertkampfschulen zusammen um zu diskutieren, wie es gemacht werden sollte. Hinsichtlich der Frage nach kake-goei (kiaiii oder schreien) hatte jede Tradition viele unterschiedliche Arten. Aus den vielen Möglichkeiten, die für die Verwendung in der neuen kendo kata zur Verfügung standen, wurde schließlich von diesen großen Meistern entschieden, yaa und tou zu benutzen.
Im ersten Entwurf der kendo kata sollte es yaa und ei sein aber das die kata formulierende Komitee hat dann entschieden, tou statt ei zu verwenden, da dies einen Bezug zur a-un Atmung hat. Im esoterischen Buddhismus repräsentiert die Silbe a die grundlegende Essenz von aji-honpushoiii, während un seine Weisheit darstellt. A ist der Ursprung aller Elemente in der Welt. Statuen an Tempeleingängen werden oft so dargestellt, als wenn eine den Mund offen, hat um a auszusprechen und die andere ihren Mund geschlossen hat, als wenn sie un sagt. Dies symbolisiert den Beginn und das Ende aller Dinge. A bedeutet einatmen und un ausatmen. In der kata bedeutet aun-no-kokyu die Atmung in Synchronisation mit dem Kontrahenten bzw. in Harmonie mit dessen subtilen Stimmungen und Rythmen zu sein.
iEine natürliche Lautäußerung die zeigt, dass man voller Kampfgeist und mental und physisch vorbereitet ist.
iiDer Vorgang, sich auf die Bewegungen und die eigenen geplanten Bewegungen zu konzentrieren und mit extremer Vorsicht eine Herausforderung aufzubauen. Außerdem betrifft es die Lautäußerungen, die man in dieser Geisteshaltung von sich gibt.
iii阿字本不生, Das esoterische Prinzip, dass alle Dinge im Ursprung keinen Zustand haben. Dieses Prinzip wird durch den ersten Laut des Sanskrit-Alphabets ‚A‘ repräsentiert. (s. http://www12.canvas.ne.jp/horai/glo-1.htm)
Unser Abzeichen
Irgendwann hatte ich mich mal gefragt, was unser Vereinsabzeichen wohl bedeuten mag und warum es ausgewählt wurde. Schließlich will man ja wissen, was man da vor sich her trägt.
Beim Kendo ist es üblich seinen Namen und das Abzeichen des Vereins auf dem Hüftschutz (dem tare) zu tragen.
Das kann man als Fortführung einer Art von traditionellen Heraldik der Japaner verstehen. Da alle Kendoka in der Rüstung doch ziemlich gleich aussehen, sind diese Zeichen dazu da alte Bekannte zu erkennen, sowie sich den Namen desjenigen einzuprägen, der einem gerade dieses blitzartige Men verpasst hat. Weiterlesen
Kendo – Approaches for all levels
Sotaro Honda: Kendo – Approaches for all levels (2012)
Bunkasha International Corporation
Dr. Sotaro Honda hat einige Artikel für das Kendo World Magazine und, in seiner Funktion als Nationaltrainer, für die British Kendo Federation geschrieben. Dieses Buch ist eine Sammlung dieser Artikel, die sich mit zahlreichen Aspekten des Kendo-Trainings befassen und verständlich und anschaulich geschrieben sind. Dabei werden nicht nur technische Aspekte angesprochen, sondern auch Dinge, wie man sich gegenüber Männer, Frauen, Kindern, Senioren und Junioren im ji-geiko verhalten sollte, wie man seiner Graduierung entsprechend Ji-geiko macht und wie man an shiai herangeht.
ashi-sabaki (Fußarbeit)
Beim Kendo wird sich in spezieller Fußarbeit (ashi-sabaki) fortbewegt. Es gibt verschiedene Arten, die hier vorgestellt werden.
Kiri-kaeshi
kirki-kaeshi ist eine uns unser ganzes Kendoleben begleitende Basisübung, in der alle wichtigen Elemente eines korrekten Schlags geübt werden und aus der beide Partner zahlreiche Nutzen ziehen können:
- ashi-sabaki (Fußarbeit)
- ki-ken-tai-ichi
- te-no-uchi
- Schlagschärfe
- korrektes Treffes
- Körperkoordination
- Atmung
- Ausdauer
- Beobachtungsgabe
- Distanzbewusstsein
- korrekte Haltung
- tachi-suji (Verständnis für die Schnittebene (hasuji) der Klinge)
- …
Ninja Mind Control – Körperliche Höchstleistung durch geistige Kontrolle
Ashida Kim: Ninja Mind Control – Körperliche Höchstleistung durch geistige Kontrolle
Sensei Verlag, ISBN 3-932576-39-X
Wer anhand des Titels denkt:“Ach du Scheiße. Das ist doch bestimmt nur Mist.“, der hat recht. Man könnte diesen Text auch beginnen mit:“Bücher, die die Welt nicht braucht, Teil 324″.
Ich stolperte über das Buch letztes Jahr, war begeistert von den trashigen Fotos von einem ganz in schwarz gekleidetem, maskierten Ninja, der mit einem langhaarigen, bärtigen Mann mit weißem gi, wahrscheinlich schwarzem Gürtel, Jeanshose (!) und schwarzen Socken (!!) Techniken demonstriert. 15,30 € waren mir aber zu teuer, so dass ich es mir habe zu Weihnachten schenken lassen. Eigentlich müsste ich mich bei meinen Eltern entschuldigen.
Leider bin ich nur bis Seite 16 gekommen, aber die verschnörkelten, vor Weisheit triefenden Sätze sind doch sehr anstrengend. Als ich dann noch las:“Zudem können Ninjas geschickt ausweichen und den Angriffen des Gegners entkommen (na und?). Diese Fähigkeit gibt dem vollkommenen Ninja eine mehr als 50 %ige Chance (wow!) erfolgreich einer Rakete (!!), einem Pfeil oder einem geworfenen Dolch auszuweichen (man beachte die Antiklimax).“, konnte ich es nicht mehr ertragen.
Kurzzusammenfassung: Ninjas sind die besseren, wenn nicht gar Übermenschen. Alles klar?
Kendo – Coaching tips and drills
George McCall: Kendo – Coaching tips and drills (2012)
eigene Veröffentlichung, http://kenshi247.net/kendo-coaching/
Die meisten deutschen und englischen Kendo-Bücher enthalten zum größten Teil Informationen über Ausrüstung und deren Pflege, Etikette und Beschreibungen über die verschiedenen Grundschläge und Techniken. Konkrete Trainingsmethoden werden, wenn überhaupt, nur kurz vorgestellt.
In diesem Buch, das sich an (neue) Trainer bzw. alle, die sich für Kendo-Trainingsmethoden interessieren, richtet, stellt der Autor die verschiedensten Übungen für die Dinge vor, die man im Kendo benötigt. Zur Verdeutlichung sind viele Farbfotos enthalten.
Zuerst widmet er sich der Fußarbeit, Verbesserung der Körperkontrolle, dem kamae und der Beweglichkeit der Handgelenke.
Anschließend folgen drei kurze Kapitel darüber, wie man einen Sinn dafür entwickelt, zu schneiden statt zu schlagen, wie man suburi ausführt und über die wichtigste Person beim Training, dem motodachi.
Danach kommen Kapitel über Übungen für Grundschläge, für einige Techniken und Schlagübungen wie kirikaeshi, uchikomi-geiko, kakari-geiko und butsukari-geiko.
Die letzten Kapitel widmen sich ippon bzw. wie man einen korrekten Schlag erzeugt und shiai-geiko. Das letztere zielt darauf ab, den Schülern nicht nur das Kämpfen im Wettkampf beizubringen sondern sie auch als Schiedsrichter agieren zu lassen, damit sie dadurch das Gefühl für einen korrekten Treffer entwickeln können.
Vor den abschließenden Worten und dem Anhang kommt noch ein Kapitel darüber, wie man das Training aufbauen könnte.
Vieles mag langjährigen Kendoka bekannt sein und der Inhalt ist auch nicht erschöpfend (was bei der Vielzahl von Techniken aber nicht verwunderlich ist). Trotzdem kann wahrscheinlich fast jeder etwas Neues bzw. Denkanstöße daraus mitnehmen und dadurch das Training abwechslungsreicher gestalten.
Kendo Kata: Essence and Application
Inoue Yoshihiko: Kendo Kata: Essence and Application (2003)
Kendo World Publications, ISBN 4-9901694-1-7
Während die Vorderseite dieses in englischer Sprache geschriebenen Buches die Spitzen zweier sich kreuzender Bokutos in einem Dojo zeigt, lacht einem von der Rückseite ein älterer Japaner entgegen: Inoue Yoshihiko, Kendo 8. Dan Hanshi, laut Vorwort Japans herausragendste Autorität in Sachen Kata und unter anderem Vorsitzender des AJKF Ausschuss für Kendo Kata. Das Buch ist eine Sammlung von Essays und Artikeln.
Nach einer kurzen Einleitung werden die Etikette vor und nach dem Tachiai (Kata Vorführung), die Tachi-no-Kata (die sieben Langschwertformen) und die Kodachi-no-Kata (die drei Kurzschwertformen) ausführlich und reich bebildert erklärt. Dabei sind die Seiten in zwei Spalten geteilt. In der ersten Spalte ist die Beschreibung der Kata in der Form von 1981 enthalten (Nippon Kendo Kata Kaisetsu-sho – Nippon Kendo Kata Lehrhandbuch). Da diese noch einige Fragen offen ließ, bzw. eine gewisse Interpretationsfreiheit zuließ, wurden noch die Koshukai Shiryo (Seminar Richtlinien) geschrieben, um den Übenden klare Anweisungen zu geben, wie die Formen auszusehen haben. Diese Richtlinien sind in der zweiten Spalte enthalten.
Außerdem gibt es zu einzelnen Punkten noch genaue Erklärungen, was warum durch die Richtlinien verändert wurde. Das klingt manchmal etwas haarspalterisch (z.B. bei der Beschreibung, wie weit die Klinge beim Stich in der dritten Form gedreht werden muss:“[…] In #3 sanbon-me and #4 yohon-me, the adjective „slightly“ is used, while „a little“ is used in #7 nanahon-me. They have exactly the same meaning. […]“) aber macht Sinn, wenn man erreichen möchte, dass der Übende eine möglichst genaue Anweisung bekommt, anhand derer er die Kata praktizieren und lehren kann.
Nach dem „praktischen“ Teil kommt dann die Theorie, nämlich ein Kapitel über die Philosophie, die hinter der Kata steckt. Angefangen mit der Frage, ob Kendo ein Sport oder Budo ist, bekommt der Leser erklärt, warum die ersten drei Formen einen eigenen Block in der Kata bilden, wie die vier anderen Langschwertformen mit dem yin-yang-Prinzip zusammenhängen und wie die drei Kurzschwertformen die Prinzipien von chotan-ichimi und muto no kokoro beinhalten. Dazu gehört eine kurze Einführung in das yin-yang-Prinzip und wie dessen Beziehung zu den diversen Kamae ist.
Den Abschluss dieses Teils bilden Erklärungen über die Hintergründe der Etikette. Dieser theoretische Teil ist für Nicht-Japaner und Nicht-Buddhisten nicht leicht zu handhaben, bietet aber interessante Anregungen zur Weiterbildung und die Erkenntnis, dass alles bei der Kata seinen Sinn hat. Man muss ihn nur erklärt bekommen und alles wird ein wenig klarer.
Den Abschluss des Buches bilden Fragen und Antworten mit Inoue Sensei sowie ein Glossar, in dem die im Buch verwendeten japanischen Ausdrücke erklärt werden.
Angesichts des Autors und des großen Informationsgehalt des Buches denke ich, dass dieses Buch in keiner Kendo-Buchsammlung fehlen sollte.
